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Sep 09

Job-Lotterie: Supermarktkette Tigros in der Kritik

Ab 30-Euro-Einkauf winkt Chance auf befristete Einstellung

Experten bewerten Job-Lotterie als ethisch fraglich (tigros.org)

Malnate/Achim (pte/03.09.2009/10:50) – Die italienische
Einzelhandelskette Tigros http://www.tigros.org hat sich eine
ungewöhnliche Strategie zur Umsatzsteigerung einfallen lassen. Kunden,
die bis zu einem Betrag von 30 Euro Waren einkaufen, dürfen an einer
Job-Lotterie teilnehmen. In der verheerendsten Krise seit 60 Jahren
wirbt man mit der Vergabe von befristeten Jobs als Gabelstapelfahrer
oder Lagerist. So sollen verstärkt Konsumenten in die Filialen gelockt
werden. Kritiker sehen in dem Werbegag eine ethisch fragwürdige Maßnahme
zur Umsatzgenerierung, die mit der Arbeitslosigkeit und den damit
verbundenen Verlustängsten der Betroffenen spielt.

“Aktionen wie diese sind nicht nur ethisch bedenklich, sondern auch
extrem zynisch. Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein adäquates Mittel
ist, um das Image aufzubessern. Vielmehr kann der Schuss gerade in
diesen Zeiten schnell nach hinten losgehen”, weiß Unternehmensberater
Bernd Höhne http://www.jobdot.de im Gespräch mit pressetext. Laut dem
Fachmann besitzen vor allem arbeitslose Menschen ein feines Gespür
dafür, wie öffentlich das Thema behandelt und sie von der Politik
wahrgenommen werden. “Indem Jobs wie auf einer Kaffeefahrt verlost
werden, sagt dies auch viel über die Verfasstheit einer Gesellschaft
aus. So scheint man davor zu kapitulieren, dass es möglich sein sollte,
Jobs für alle bereitzustellen”, fügt Höhne hinzu.

Die Losaktion bezieht sich vorläufig auf zehn auf ein Jahr befristete
Arbeitsverhältnisse. Laut Tigros sollen sie jedoch entfristet werden,
solange es keine “Probleme mit der Disziplin” gibt, teilte das
Unternehmen mit. Das Nettogehalt soll ersten Informationen nach zwischen
1.100 und 1.200 Euro liegen. “Die aktuelle Wirtschaftkrise hat die
Gesellschaft verändert. Das einst beschworene Wirtschaftsideal der
weitestgehend liberalisierten Märkte schwenkt langsam um zu mehr
sozialer Gerechtigkeit. Dies haben unlängst die Wahlergebnisse in
Thüringen und im Saarland mit den Zugewinnen der Linken gezeigt”, sagt
Höhne gegenüber pressetext. Die von Tigros ins Leben gerufene
Werbeaktion soll den gesamten September hindurch laufen.

Die anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Unternehmens gestartete
Lottoaktion stößt auch der italienischen Gewerkschaft CGIL sauer auf.
Diese kritisierte das Job-Lotto scharf, da auf diese Weise die Dramatik
der Wirtschaftkrise “instrumentalisiert” werde. Vielmehr sei es den
Menschen nicht zu vermitteln, warum sie die Arbeitssuche als eine Art
Glücksspiel betrachten sollen. “Gerade in schwierigen wirtschaftlichen
Zeiten wie diesen, kann dies prekäre Folgen bewirken. Schließlich
formiert sich immer mehr Widerstand gegen die Verteilung nach oben”,
analysiert der Unternehmensberater. Tigros betreibt 59 Filialen in den
Regionen Piemont und Lombardei. Nur Kunden, die über eine Kundenkarte
verfügen, dürfen am Lotto teilnehmen. (Ende)

Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Florian Fügemann