August, 2009


5
Aug 09

Kein Multikulti im Vorstand!

Kaum ausländische Chefs in deutschen Konzernen – Multikultur in Vorständen und Aufsichtsräten lässt zu wünschen übrig

Bonn/Wien (pte/05.08.2009/11:30) – Trotz kleiner Veränderungen im
Vergleich zum Vorjahr bleibt der Anteil von Vorständen mit ausländischem
Pass in deutschen Unternehmen weiter gering. Wie die
Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners http://www.simon-kucher.com
errechnet hat, sind derzeit lediglich 26,3 Prozent der Dax-Vorstände
nicht-deutsche Führungskräfte. Der direkte Abgleich zu 2008 mit einem
Ausländeranteil von 25 Prozent lässt Forderungen nach mehr Vielfalt in
deutschen Chefetagen nach wie vor aktuell erscheinen. Dabei hat
vermutlich auch die Finanzkrise einen nicht unwesentlichen Einfluss auf
die Entwicklung. So kletterte der Ausländeranteil zwischen 2000 und 2006
noch deutlich und ist seither nur mit minimalen Schwankungen versehen.

“Personalbesetzungen für hohe Führungsgremien sollte man sich immer vor
dem Hintergrund der jeweiligen Branche und Märkte ansehen. Dass die Zahl
an einheimischen Managern nach wie vor hoch ausfällt, lässt sich auf die
schon vorhandenen Netzwerke zurückführen. Weil die meisten Unternehmen
jedoch zunehmend parallel auf vielen Märkten tätig sind, bietet sich die
Internationalisierung aber an”, sagt Bernhard Weidinger, Managing
Partner des Projekt- und Prozessmanagement-Spezialisten next level
consulting http://www.nextlevel.at , gegenüber pressetext. Die im
Vergleich zu anderen Ländern hohe Unterrepräsentation von Ausländern in
deutschen Führungsetagen wird daher auch als zunehmend negative
Entwicklung gesehen.

Fachleuten nach sind 30 bis 40 Prozent ausländische Vorstände in
international agierenden Konzernen optimal. Ein noch höherer
Ausländeranteil könne wegen kultureller Unterschiede jedoch schnell
problematisch werden. “Von zahlentechnischen Generalisierungen möchte
ich warnen. So sollte sowohl die Größe als auch die strategische
Ausrichtung eines Unternehmens dazu genau analysiert werden”,
unterstreicht Weidinger auf Nachfrage von pressetext. Diese Sicht
spiegelt sich auch in den Ergebnissen von Simon-Kucher & Partners wider.
Zehn der 30 untersuchten Dax-Unternehmen haben einen komplett deutschen
Vorstand. Wegen der immer größer werdenden Anteile ausländischer
Aktionäre, Mitarbeiter und Erlöse sei dies ein Fehler.

Bei Konzernen wie Fresenius Medical Care, Henkel oder SAP weist dagegen
schon die Hälfte der Vorstände eine ausländische Nationalität auf. Diese
kommen meist aus Nordamerika. Der Beratungsgesellschaft nach seien
dieses Jahr erstmals auch drei Manager aus Asien und Südamerika in den
Vorständen deutscher Unternehmen vertreten – der Taiwanese James Wei
(Beiersdorf), der Inder Anshu Jain (Deutsche Bank) sowie der Brasilianer
Antonio Roberto Cortez (MAN). Das Bild bei den deutschen Vorständen
ähnelt der Situation in Aufsichtsräten deutscher Konzerne. Die
Personalberatung Russell Reynolds http://www.russellreynolds.com hat
ermittelt, dass nur 18 Prozent der Kontrolleure der Dax-30 ausländischer
Nationalität sind.

Kritisch beurteilt Russell Reynolds aber auch, dass in der
Bundesrepublik lediglich 26 Prozent der Aufsichtsräte Führungserfahrung
in der Branche besitzen, in der ihr Unternehmen tätig ist. In keinem
Land seien es weniger als in Deutschland – laut den Insidern eine sehr
bedenkliche Situation. Schließlich verfügen in Norwegen, Belgien und
Italien bereits mehr als die Hälfte der Mitglieder über eine
entsprechende Industrieerfahrung, was inhaltsgetriebene Debatten in der
Auseinandersetzung mit Vorstandsbeschlüssen ermögliche. Laut Russell
Reynolds sollten zwischen 40 und 50 Prozent der Mitglieder des
Aufsichtsrates fundierte Branchenkenner sein. Die Besetzung von
Aufsichtsgremien sollte als strategische Aufgabe wahrgenommen werden.
(Ende)

Aussender: pressetext.deutschland
Redakteur: Florian Fügemann